Das erste offizielle Langlaufrennen wird auf den 30. März 1843 datiert, ein Rennen über 5km in Tromso. In den darauffolgenden Jahren folgten mehrere kurze 2 bis 3km lange Rennen über Felder mit scharfen Kurven und kleinen Sprüngen was das können der Läufer unter Beweis stellte. Der Sport entwickelte sich weiter und die ergeizigen Langläufer wollten sich auch über längere Distanzen messen. So wurde für den Januar 1884 in Trondheim ein 12km-Rennen angesetzt, Kritiker bezweifelten jedoch, ob der Mensch in der Lage wäre ein so langes Rennen zu bestreiten. Kritiker und Ärzte prophezeiten sogar den Tod durch die Erschöpfung welche während dem Wettkampf auftreten würde. Glücklicherweise geschah dies nicht, alle Teilnehmer kamen am Abend wieder lebendig nach Hause. Jedoch wiederspiegelte diese Haltung den Geist dieser Zeit: Training um die Fitness zu verbessern war zu dieser Zeit nicht sehr populär, die Angst sich zu überanstrengen war weit verbreitet. Es wurde eher daran geglaubt, Training wäre schädlich und man soll seine Energie eher sparen als sie mit Sport zu vergeuden. Es wurde geglaubt, Sport schade dem Körper und führe schon im Jugendalter zum Burnout. Ärzte rieten vor intensivem Training im Jugendalter ab, da dies dem Herzen und den Lungen schaden könnte. Langlaufwettkämpfe waren für unter 20 Jährige verboten. Trotzdem legten die (Norwegischen) Jugendlichen täglich einen langen Schulweg zurück – 5km pro Weg im Durchschnitt. Ebenso waren die über 10 Jährigen zu Hause für das Holzacken und das Heuen im Sommer verantwortlich. Auch Mädchen und Frauen waren zu Hause sehr in die Arbeit eingebunden, jedoch wurde geglaubt, dass Frauen weniger Belastung tolerieren würden als Männer.
Trotzdem machten sich die Langläufer von 100 Jahren schon Gedanken übers Training, und diese weisen noch gewisse Parallelen auf zum Training der heutigen Langläufer. Beispielsweise ist im 1923 erschienenen «The Sports Book, Volume 3» nachzulesen, dass Langläufer nicht zu viele intensive Trainings im Sommer durchführen sollten, sondern viele lange Wanderungen im Wald, Rudern, Schwimmen oder langsames Gehen neben der Arbeit auf dem Hof absolvieren sollten.
Da viele der damaligen Langläufer Bauern oder Holzfäller waren, wurde das Training durch die Jahreszeiten und die dabei anfallende Arbeit bestimmt. So wurde das Training im Herbst zunehmend intensiver, ebenfalls begann dann die Holzfällersaison. Diese nutzten die damaligen Langläufer zum Kraftaufbau: Morgens ging es auf den Skis und mit der Axt und der Säge auf dem Rücken in den Wald, am Abend nach getaner Arbeit ging auf den Skis wieder nach Hause. Ab Dezember durften die ambitionierten Langläufer dann die Arbeit reduzieren, um sich mehr auf das Langlaufen konzentrieren zu können. Holzfällen wurde zudem als funktionelles Training fürs Langlaufen angesehen. Es gab sogar Trainer, die herumreisten und den Holzfällern zeigten wie sie ihre Arbeitshaltung und den Arbeitsrythmus fürs Langlaufen optimieren konnten. So wurde versucht aus der Arbeit das Maximum fürs Training herauszuholen.
Ab den 1950 er Jahren wurde das Training dann noch zielgerichteter, die Holzfäller ergänzten ihre lange Trainingseinheiten kurzen und knackigen hoch-intensiven Trainings. Ebenso wurde zunehmend auch mit Gummibändern, welche an der Wand fixiert waren, trainiert. Rollerskis kamen ab den 1960er Jahre in den Einsatz, es wurde aber nur in geringem Umfang damit trainiert. Sobald der Schnee jeweils da war, lag die Priorität im Training auf intensiven Einheiten und der Fokus auf den Wettkämpfen. Die Athleten absolvierten bis zu 50 oder mehr Wettkämpfe pro Saison. Interessant zu erwähnen ist, dass die VO2max-Werte der damaligen Langläufer auf einem ähnlichen Niveau lag wie der heutigen Langläufer (>80mL/kg/min). Einer der grössten Unterschiede zu heute liegt vermutlich in der nicht optimalen Regeneration der damaligen Athleten, da diese neben dem Training harter körperlicher Arbeit nachgingen:
Ab den 1970er Jahren wurde das Lydiard-Training, das zuvor bereits in der Leichtathletik erfolgreich angewendet worden war, auch im Langlaufsport eingesetzt. Dies bedeutete, dass deutlich mehr bei niedriger Intensität trainiert wurde im Sommertraining als noch zuvor. Zugleich entstand auch das «Norway`s College of Physical Education», welches die Sportart Langlauf genauer zu untersuchen begann. Das gewonnene Wissen wurde in Weiterbildungskurse für Trainer unterrichtet, wobei sich der Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis nicht immer als einfach erwies.
So nahmen auch die Umfänge zu; die Athleten trainierten im Sommertraining teils 120h/W, Schwerpunktmässig Joggend oder auf den klassisch-Skis auf dem Schnee. Langlauf wurde nun zunehmend das ganze Jahr über trainiert, entweder auf den Skis oder auf den Rollerskis. Jedoch waren die Athleten nun meist nicht mehr Holzfäller, sondern Studenten. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Regeneration nach dem Training, die Athleten hatten nun mehr Zeit um sich erholen.
Ab der Mitte der 1980er Jahre veränderte sich das Rennformat im Langlauf: Wettkämpfe wurden nun auch in der Skating-Technik ausgetragen. Ebenso wurde in den folgenden Jahren Massenstartrennen, Sprints und die Verfolgung als Wettkampfformat aufgenommen. Somit veränderte sich auch wieder die Anforderungen an die Läufer: In den Massenstartrennen wurde die Entscheidung um den Sieg oft erst auf der Zielgeraden gefällt, was bewirkte, dass die Taktik und die Endschnelligkeit wichtiger wurden.
Obwohl das Training der heutigen Langläufer inzwischen viel zielgerichteter ist, ist das Alternativtraining und das Krafttraining noch immer ein wichtiger Bestandteils des Trainings. Sie helfen dem Körper eine gutes Fundament zu bilden, damit die hohen Trainingsumfänge toleriert und das Verletzungsrisiko gesenkt werden.
Trotz der Professionalisierung des Langlaufs ist es immer noch so, dass viele der guten Athleten aus eher ländlichen Gebieten stammen, wo die Kinder sich zwangsmässig mehr bewegen müssen (bspw. gibt es keinen Schulbus), viel draussen spielen und die Familie als ganzes in ihrer Freizeit viel nach draussen geht (bspw. Wandern). Viele der heutigen Top-Athleten hatten eine sehr aktive Kindheit.
Obwohl die VO2max-Werte der Profis bis heute etwa gleich hoch geblieben sind, so hat sich die Geschwindigkeit mit der die Langläufer unterwegs sind beinahe verdoppelt. Dies ist zum einen dem besseren Material und der besser präparierten Loipen zuzuschreiben, aber auch wie bereits erwähnt dem zielgerichteten und besser periodisierten Training als auch der Technik, die sich gegenüber früher deutlich verändert hat.
Auch beim Training der weiblichen Athleten hat sich einiges getan: während lange geglaubt wurde, dass Frauen weniger Training als Männer tolerieren, so ist es inzwischen so, dass die Frauen fast gleich viel trainieren wie die Männer.
Fazit
Die Langläufer von heute trainieren doppelt so viel sportartspezifisch wie in den 60er Jahren. Schwerpunktmässig wird heute mehr in den Grundlagenbereichen sowie im Kraft und Geschwindigkeitsbereich trainiert, während der Umfang bei den moderaten und hochintensiven Trainings gleichgeblieben ist.
Trotz dem vielen Training von heute, die körperliche Aktivität im Alltag ist gegenüber früher weniger geworden. Dies sollte bei der Trainingsplanung beachtet werden, indem Variation sowie Präventionsstrategien ins Training eingebaut werden.