Endlich sind die 4 Jahre Studium mit mehreren Praktikas vorbei und man freut sich als frisch gebackener Physio darauf, endlich mal das Leben zu geniessen und einfach nur arbeiten zu können. Viele Therapeuten entscheiden sich zwar dazu jedes Jahr eine kurze Weiterbildung in Angriff zu nehmen. Oft sind das kürzere Kurse wie beispielsweise Taping-Kurse, FDM-Kurse, Triggerpunktkurse, Pilateskurse, viszerale Osteopathie oder ähnlich. Diese Kurse haben sicher den Vorteil, dass das gelernte sofort im Alltag eingebaut werden kann und wenig Selbststudium benötigen. Aber reichen solche Kurse um Up-to-date zu bleiben und sein Wissen nach dem Studium zu festigen? Und vermitteln solche Kurse genug Hintergrundwissen um das gelernte effektiv anwenden zu können?
Ich denke dazu braucht es mehr als nur kurze Kurse. Um nur Up-to-date zu bleiben reicht es vielfach auch, wenn man immer mal wieder eine aktuelle Studie zu einem Thema liest, welches von persönlichem Interesse ist, oder wenn man sich in einem Buch über das Krankheitsbild des Patienten vertieft und die evidenzbasierten Behandlungsmöglichkeiten heraussucht.
Oft beobachtet ich jedoch, dass zwar das Interesse besteht sich zu informieren, aber sich nicht die Mühe gemacht wird, sich fundiert in das Thema einzulesen. Oft wird nur auf doccheck oder Wikipedia nach Infos gesucht. Das sollte der eigene Stolz nicht zulassen und das ist zu wenig um sich auf einem anständigen Niveau weiterzubilden. Besser sind hier sicher die vielen (teils kostenpflichtigen) Internetseiten wie Physiomeetsscience, klugeriese.com, mikreinold.com, clinicaledge.co oder PhysioNetwork, welche viele aktuelle Forschungsresultate aufarbeiten und übersichtlich darstellen. Solche Seiten lohnen sich auf alle Fälle. Auch auf Social Media finden sich viele Infos, hier gilt jedoch eine gewisse Skepsis, da meist nur das «cooles» gepostet wird was Likes generiert und diese Posts immer die persönliche Meinung des Postenden widerspiegelt.
Ich denke, es lohnt sich nach dem Studium nicht zu lange zu warten um sich noch weiterzubilden. Denn je mehr Zeit nach dem Abschluss verstreicht, desto weniger wird die Motivation sich für eine weitere Ausbildung aufzuraffen. Aus meiner Sicht lohnt es sich etwas fundiertes in Angriff zu nehmen, was zwar Zeit-und Ressourcenintensiver ist als nur ein Wochenendkurs, jedoch auch mit einem Diplom belohnt wird.
In der Schweiz gibt es dazu viele Angebote an den Fachhochschulen, welche CAS und MAS-Weiterbildungen anbieten, ebenfalls finden sich auch MSc-Studiengänge. Es lohnt sich bei den MSc-Studiengänge das Curiculum genau zu überprüfen, denn es gibt besonders im Ausland einige MSc-Studiengänge, welche mit vielen ECTS-Punkten in kurzer Zeit locken, der wissenschaftliche Anteil scheint aber nicht überall gleich hoch zu sein. Der Vorteil der CAS/MAS-Studiengänge gegenüber den MSc-Studiengänge ist sicherlich die praktische Ausrichtung. Die vermittelten Infos sind bei den CAS eigentlich evidenzbasiert, der Anteil an Statistik ist aber deutlich kleiner als an MSc-Studiengängen.
Möchte man sich eher zu Hause weiterbilden, so kann ich aus eigener Erfahrung folgende Quellen empfehlen:
- https://mikereinold.com Mike bietet div. Webinars an, der Inner Circle kann zum fachlichen Austausch benutzt werden. Seine Podcasts (#mikereinoldshow) sind unterhaltsam und behandeln alltagsrelevante Themen. Das Angebot ist zwar kostenpflichtig, aus meiner Sicht gibts fürs Geld aber gute Infos.
- https://www.clinicaledge.co/online-courses Hier gibt es Themen zu verschiedenen Gebieten, oft von Experten auf diesem Gebiet präsentiert. Ebenfalls gibt es die Trainings-Programme wie der Running Repairs-Kurs, aus dem ich persönlich sehr viele gute Infos habe. Die Infos sind praktisch immer mit Studien hinterlegt, man wird Mitglied in einer Facbook-Gruppe, wo man andere Personen um Rat fragen kann.
- British Journal of Sports Medicine: Meist interessante Gespräche mit Experten auf ihrem Feld.
- Ask Mike Reinold Show: Podcast von Mike Reinold.
- Buchtipp: Clinical Sports Medicine von Brukner & Kahn liefert zu praktisch allen orthopädischen Verletzungen eine kurze Übersicht über Diagnose und Behandlung. Super um in der Praxis etwas nachzuschlagen.
Tiefer greifende Weiterbildungen:
- ZHAW: Hier finden sich viele CAS und wenn die Motivation dazu besteht auch MAS-Studiengänge. Gewisse Schwerpunkte kann man sich bei den Studiengängen selber setzten. Diese CAS sind Zeitintensiv, dafür sehr gut fundiert und man hat am Schluss einen Abschluss in der Hand, den man gebrauchen kann. Ev erleben wir ja mal den Direktzugang? Lohnt sich um ready zu sein.
- Strongfirst: Willst du dich beim Gewichtheben weiterbilden? Diese Kurse fordern einiges von dir, rechne damit dass du dich mindestens 3-4 Monate auf einen Kurs vorbereiten musst (wenn du zuvor schon fit bist, ansonsten rechne 6 oder mehr Monate für die Vorbereitung). Hier gilt: walk the talk. Dafür weisst du am Schluss wie es sich anfühlt Gewichte zu heben und wirst Teil einer wunderbaren Community. Du lernst bei diesen Kursen wirklich die Basics vom Gewichtheben und wirst nicht mit irgendwelchen Fancy Übungen bombardiert, welche nice sind, dir aber nichts bringen.
Never stop improving!