Was ist Blood Flow Restriction Training?

Was ist Blod Flow Restriction Training?

Verminderte Muskelkraft und Muskelschwund sind in der Rehabilitation von muskuloskeletalen Beschwerden ein häufiges Problem. Die Belastbarkeit ist bei postoperativen Patienten, ebenso bei Personen mit degenerativen Beschwerden meist vermindert, oft müssen Teilbelastungen oder Bewegungslimiten eingehalten werden, was eine effektive Atrophievermeidung schwierig macht, die Muskeln können nicht effektiv belastet werden. So muss eine Verminderung der Muskelmasse in Kauf genommen werden. So kann 3 Wochen nach einer Immobilisationsphase nach einer Kniearthroskopie eine Volumenreduktion des Muskels von 20-30% beobachtet werden (Wilkinson et al., 2019). Später, wenn die betroffene Person wieder belastbarer ist, dauert es meist sehr lange bis die Kraft wieder auf dem Niveau wie vor der Verletzung ist.

Was gibt es also für Möglichkeiten eine Atrophie zu vermeiden oder deren Ausmass zumindest in Grenzen zu halten?

Sicherlich ist eine möglichst frühe Mobilisation eine der wichtigsten Massnahmen. Auch die elektrische Muskelstimulation wird oft eingesetzt, die nicht verletzten Partien des Körpers trainiert, jedoch hat das Abheilen der operierten Struktur Priorität.

Seit einiger Zeit liest man immer wieder vom Blood Flow Restriction Training, auf Deutsch am ehesten mit Restriktionstraining zu übersetzten, am einfachsten aber mit BFRT abgekürzt. Ursprünglich wurde das BFRT auch KAATSU-Training genannt. 

 

Um eine Muskelhypertrophie durch Krafttraining zu erzielen und den Muskelquerschnitt zu vergrössern, empfiehlt das American College of Sports Medicine folgende Dosierung: 70-85% 1RM bei 8-12 Repetitionen und 1-3 Sets pro Übung, Pausendauer von 1-3 min, 2-3x/Woche über mindestens 5 Wochen (Ratamess et al., 2009). Dies setzt eine gewisse Belastbarkeit des Trainierenden voraus, da ein Gewicht von 70-85% des 1RM schon einiges an mechanischer Belastung erzeugt. Eine etwas weniger belastende Alternative, ist das Einsatztraining: dabei wird ein relativ «leichtes» Gewicht gewählt (35-85% des 1RM) und dann eine Serie durchgeführt. Die Time under Tension soll bei ca 90-120s liegen, das heisst der Muskel soll in dieser Zeit bis zur lokalen Erschöpfung trainiert werden. Ist die Belastung zu kurz, dann liegt der Schwerpunkt zu sehr auf der Kraftentwicklung, ist er zu lang, dann liegt der Fokus zu sehr auf der Ausdauer (Toigo, 2015). Vorteil von dieser Art Hypertrophietraining ist, dass ein Muskelwachstumsreiz bei einer geringeren Intensität gesetzt werden kann gegenüber dem klassischen Hypertrophietraining.

Das BFRT unterbietet dieses Training noch einmal: Mit einem Gewicht von 20-30% des 1RM kann ein ähnlicher Muskelwachstums- und Kraftreiz gesetzt werden, wie mit einem klassischen Hypertrophietraining (Hughes et al., 2019). Beim BFRT wird die zu trainierende Extremität mit einer Manschette teilweise okkludiert. In früheren Studien geschah dies teils mit normalen Blutdruckmanschetten, inzwischen sind auch Manschetten erhältlich, die speziell fürs BFRT gefertigt wurden. Um das Training sicher und reproduzierbar zu gestalten, wird der Grad der Okklusion relativ zum arteriellen Okklusionsdruck (AOP) angegeben. Bei den unteren Extremitäten wird normalerweise mit einem Manschettendruck gearbeitet, welcher 40-80% des AOP entspricht. Empfohlen sind 4 Sets à 30-15-15-15 Wiederholungen, bei einer Serienpause von 30-60s, die Zeit unter Restriktion beträgt zwischen 5-10min pro Übung, danach sollte die Luft aus der Manschette abgelassen werden, bevor mit der nächsten Übung begonnen wird (Patterson et al., 2019).

Wie der optimale Trainingsdruck bestimmt wird, was die physiologischen Mechanismen hinter dem BFRT sind und Tipps zur Anwendung werde ich in den nächsten Posts erläutern.

Hughes, L., Rosenblatt, B., Haddad, F., Gissane, C., McCarthy, D., Clarke, T., Ferris, G., Dawes, J., Paton, B., & Patterson, S. D. (2019). Comparing the Effectiveness of Blood Flow Restriction and Traditional Heavy Load Resistance Training in the Post-Surgery Rehabilitation of Anterior Cruciate Ligament Reconstruction Patients: A UK National Health Service Randomised Controlled Trial. Sports Medicine49(11), 1787–1805. https://doi.org/10.1007/s40279-019-01137-2

Patterson, S. D., Hughes, L., Warmington, S., Burr, J., Scott, B. R., Owens, J., Abe, T., Nielsen, J. L., Libardi, C. A., Laurentino, G., Neto, G. R., Brandner, C., Martin-Hernandez, J., & Loenneke, J. (2019). Blood Flow Restriction Exercise: Considerations of Methodology, Application, and Safety. Frontiers in Physiology10, 533. https://doi.org/10.3389/fphys.2019.00533

Ratamess, N., Alvar, B., Evetoch, T., Housh, T., Kibler, B., Kraemer, W., & Triplett, T. (2009). Progression Models in Resistance Training for Healthy Adults: Medicine & Science in Sports & Exercise41(3), 687–708. https://doi.org/10.1249/MSS.0b013e3181915670

Toigo, M. (2015). MuskelRevolution. Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-37641-2

 

Wilkinson, B. G., Donnenwerth, J. J., & Peterson, A. R. (2019). Use of Blood Flow Restriction Training for Postoperative Rehabilitation: Current Sports Medicine Reports18(6), 224–228. https://doi.org/10.1249/JSR.0000000000000604

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