Was ist der Okklusionsdruck und wie kann dieser bestimmt werden?

Beschäftigt man sich ein bisschen mit dem BFRT, so stolpert man bald einmal über den Ausdruck arterieller Okklusionsdruck (AOP). Oft wird der AOP aber auch als LOP (Limb Occlusion Pressure) abgekürzt. McEwen et al. (2019) definieren den AOP wie folgt: 

minimum pressure required, at a specific time in a specific tourniquet cuff applied to a specific patient’s limb at a specific location, to stop the flow of arterial blood into the limb distal to the cuff.”

 

Der AOP ist also der minimale Druck welcher nötig ist, um den Blutfluss in einer Extremität zu unterbinden. Der AOP ist von der verwendeten Breite und von der Bauart der Manschette abhängig, wie auch von der Platzierung der Manschette, von der Tageszeit als auch von der Körperposition (Hughes et al., 2018; McEwen et al., 2019). Der AOP wird in mmHg angegeben und kann auf verschiedene Arten bestimmt werden:

    • Mit dem Taschendoppler (meist mit einer 8Mhz-Sonde, hier wird der Puls abgehört/auskultiert).
    • Mit dem Gefäss-Doppler (Pulse-Wave-Doppler, damit kann die Fliessgeschwindigkeit grafisch dargestellt werden)
    • High-End-Tourniquets haben einen eingebauten Sensor (vgl. Chirurgische Tourniquets), welche den AOP direkt messen und auch direkt auf Schwankungen reagieren können. Das Verfahren ist meist eine Plethysmograf, ein elektronischer Sensor misst die Volumenveränderungen der Extremität, welche mit jedem Pulsschlag einhergehen.
    • Pulsoxymetrie (dieses Verfahren hat an den unteren Extremitäten aber Limitationen)

Die beste (und teuerste) Variante ist das Verfahren mit den High-End-Tourniques mit dem eingebauten Sensor. Solche Tourniquets kosten aber mehrere Tausend Franken und sind für viele Personen nicht erschwinglich. Die Delfi-Unit und das Gerät von Madup Training sind solche Geräte, welche auch während dem Training den Druck regulieren können (Autoregulation). Eine automatische Bestimmung des AOP ist auch mit den neuen SmartCuffs 3.0 möglich, in der Pro-Version ist auch eine Autoregulation möglich.

Die Bestimmung des AOP mit einem Taschendoppler ist momentan die Variante mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, ein Taschendoppler ist für weniger als 300CHF erhältlich. Der Taschendoppler zeigt eine gute Reliabilität verglichen mit dem Goldstandart zur Bestimmung des AOP, dem Gefäss Doppler (Laurentino et al., 2018). Die Korrelation der beiden Methoden lag in der genannten Studie für die unteren Extremitäten bei r=0.938, was sehr gut ist. Der Umgang mit einem Taschendoppler ist nicht per se schwierig, es braucht trotzdem ein wenig Übung /Training um eine gute Messung durchzuführen.

Mir bekannte Hersteller, welche für das BFRT benutzt werden können sind: H+ Cuffs, FitCuffs, Occlude BFRT und SmartCuffs. Zu beachten gilt, dass es für die untere bzw. obere Extremitäten und für dicke oder dünne Beine/Arme verschiedene Manschetten gibt. Mit den Manschetten der oben genannten Hersteller sollte es möglich sein den Blutfluss zu okkludieren und somit den AOP zu bestimmen. 

Der Pulsoxymeter scheint eine Alternative zum Taschendoppler zu sein (Brekke et al., 2020; Zeng et al., 2019). Zu beachten ist aus meiner Sicht jedoch, dass in den Studien sehr hochwertige Pulsoxymeter mit einer hohen Messgenauigkeit verwendet wurden.

Normale Flossingbänder oder Gummibänder sollten nicht für ein BFR-Training verwendet werden. Der Druck welcher angewendet wird ist willkürlich (= nicht professionell) und somit ist das Training nicht sicher. Ein weiterer Hersteller welcher ich ausprobiert habe sind die B-Strong-Manschetten. Mit diesen Manschetten ist es nicht möglich den Blutfluss komplett zu okkludieren. Der Hersteller gibt an, dass diese Manschetten somit sehr sicher sind. Persönlich würde ich diese Manschetten aber nicht empfehlen um mit Patienten zu arbeiten, das Training kann nicht dosiert werden, der angewendete Druck ist auch hier willkürlich. 

Meiner Meinung nach sollten für das BFRT an den oberen Extremitäten auch nicht normale Blutdruckmanschetten verwendet werden, da diese sehr breit sind. Bei breiten Manschetten braucht es nur sehr wenig Druck bis der AOP erreicht ist, ebenso sind die Manschetten nicht bequem. 

 

Der Taschendoppler in Kombination mit einer Manschette welche für das Okklusionstraining konstruiert wurde, scheint momentan die Variante mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis für das BFRT zu sein. Ebenso gibt es für die Bestimmung mit dem Taschendoppler Rückhalt aus der Literatur. Es ist gut möglich, dass die anderen Systeme in Zukunft erschwinglicher werden, bzw. dass es noch weitere einfache Verfahren geben wird zur Bestimmung des AOP.

Brekke, A. F., Sørensen, A. N., Buhr, C., Johannesdottír, Í. O., & Jakobsen, T. L. (2020). THE VALIDITY AND RELIABILITY OF THE HANDHELD OXIMETER TO DETERMINE LIMB OCCLUSION PRESSURE FOR BLOOD FLOW RESTRICTION EXERCISE IN THE LOWER EXTREMITY. International Journal of Sports Physical Therapy, 15(5), 783–791. https://doi.org/10.26603/ijspt20200783

Hughes, L., Jeffries, O., Waldron, M., Rosenblatt, B., Gissane, C., Paton, B., & Patterson, S. D. (2018). Influence and reliability of lower-limb arterial occlusion pressure at different body positions. PeerJ, 6, e4697. https://doi.org/10.7717/peerj.4697

Laurentino, G. C., Loenneke, J. P., Mouser, J. G., Buckner, S. L., Counts, B. R., Dankel, S. J., Jessee, M. B., Mattocks, K. T., Iared, W., Tavares, L. D., Teixeira, E. L., & Tricoli, V. (2018). Validity of the Handheld Doppler to Determine Lower-Limb Blood Flow Restriction Pressure for Exercise Protocols: Journal of Strength and Conditioning Research, 1. https://doi.org/10.1519/JSC.0000000000002665

McEwen, J. A., Owens, J. G., & Jeyasurya, J. (2019). Why is it Crucial to Use Personalized Occlusion Pressures in Blood Flow Restriction (BFR) Rehabilitation? Journal of Medical and Biological Engineering, 39(2), 173–177. https://doi.org/10.1007/s40846-018-0397-7

Zeng, Z., Centner, C., Gollhofer, A., & König, D. (2019). Blood-Flow-Restriction Training: Validity of Pulse Oximetry to Assess Arterial Occlusion Pressure. International Journal of Sports Physiology and Performance, 14(10), 1408–1414. https://doi.org/10.1123/ijspp.2019-0043

Schreiben Sie einen Kommentar